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Digitaler Nomade werden: Ja oder Nein?

Von Jasmin / Letzte Aktualisierung am 25. April 2022

Digitaler Nomade werden: Hört sich erstrebenswert an, oder? Zum Arbeiten nicht viel mehr als den Laptop brauchen und dadurch an den schönsten Orten der Welt arbeiten können. Die Arbeitszeiten selbst einteilen können, unabhängig entscheiden wann man weiter zieht – Ja, es kann ein tolles Leben sein. Doch für viele ist es kein gesunder Lifestyle. In diesem Beitrag teile ich meine Erfahrungen mit dir, sowohl die Sonne- als auch die Schattenseite und wieso ich mich gegen diesen Lifestyle entschieden habe.

Mein Leben als digitale Nomade

Wer mich kennt weiß, dass ich mich noch nie selbst gerne als digitale Nomade bezeichnet habe. Ich finde das Wort hat einen bitteren Beigeschmack, vielleicht, weil mir selbst dieser Lifestyle nicht gut getan hat. Die Phase meines Lebens, die ich am ehesten als „digitales Nomadenleben“ definieren würde waren die Jahre zwischen 2016 und 2019. In dieser Zeit habe ich vor allem auf Bali gelebt, war aber auch in Singapur und Thailand, mehrere Monate in Marokko und in Portugal. Wie die meisten digitalen Nomaden arbeite ich im Online Marketing.

Seit über zwei Jahren lebe ich nun in Portugal, bin also sesshaft geworden und fühle mich sehr gut damit.

Vor- und Nachteile des digitalen Nomadenlebens

Was bedeutet es digitaler Nomade zu sein? Natürlich bedeutet es, dass du ortsunabhängig arbeiten kannst. Somit kannst du quasi überall hinreisen, wo du eine gute Infrastruktur zum Arbeiten hast. Die Meisten verschlägt es natürlich in Destinationen, die warm und am Meer sind und niedrige Lebenskosten haben, Stichwort Geo-Arbitrage. Beliebte Orte für digitale Nomaden sind vor allem Bali, die Kanaren, aber auch Costa Rica, Lissabon und auch immer mehr Kolumbien und Mexiko. Also arbeiten wo andere Urlaub machen. Neue Kulturen, wärmere Temperaturen, neue Herausforderungen, neue Menschen und Kontakte und ein Tapetenwechsel der vielen Menschen einfach sehr gut tut.

Ich denke eine solche Erfahrung kann eine Bereicherung sein. Es ist sicherlich von Vorteil sich aus seiner Komfortzone herauszubewegen und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Dadurch kann nicht nur der eigene Horizont erweitert werden, sondern vielleicht auch die eigene Heimat wieder wertgeschätzt werden.

Unbeständigkeit, Unsicherheit, Existensängste

Trotzdem lernen bei dieser Erfahrung auch viele, dass dieser Lebensstil nichts für sie ist. Denn er ist auch mit sehr viel Unbeständigkeit verbunden. Darüber habe ich auch schon in meinem Beitrag über neue Arbeitsmöglichkeiten durch Remotearbeit geschrieben.

Wer als Freelancer oder Selbstständiger digital die Welt bereist, der genießt keinen Kündigungsschutz, kann mir Internetproblemen zu kämpfen haben (außer er arbeitet von Coworking Spaces aus) und hat häufig kein routiniertes regelmäßiges Einkommen. Das kann zu Existensängsten führen.

Es bedeutet aber auch sehr häufig Abschied nehmen von Menschen, die du auf deiner Reise kennenlernst. Es bedeutet, dass du – in den meisten Fällen – alleine arbeitest und dein Team – falls du eines hast – nurnoch Online siehst und sprichst. Es bedeutet, dass du häufig unter finanziellem Druck stehst, weil Kunden dir abspringen können oder du nicht mehr weiter bei deinem Arbeitgeber bleiben kannst und du dich um einen neuen Job kümmern musst. Es bedeutet, dass du in Ausnahmesituationen in einem vollkommen fremden Land bist und nicht weisst wie du dich verhalten sollst. Irgendwie gibt es keine stabile Säule in deinem Leben. Für den einen mag es erstrebenswert sein, für den anderen vollkommen falsch.

All diese Dinge habe ich bei Freunden miterlebt. Für mich persönlich war es die Unbeständigkeit, die mir die Energie geraubt hat. Den Ort zu wechseln, mich immer wieder neu anzupassen, Abschied von Freunden zu nehmen. Ich wurde mit diesem Lifestyle nicht warm und habe einfach gemerkt, dass es nichts für mich ist. Seit ich ein festes Zuhause habe und einen festen Freundeskreis kann ich nun auch beruflich viel besser performen und es ist Zeit und Energie da mich zu entwickeln.

Was mich sehr stört, ist, dass nur selten über die Nachteile gesprochen werden. Es ist eben nicht alles nur sonnig und rosig und Arbeiten am Strand. Ich wünsche mir im Allgemeinen, dass ehrlicher mit dem Thema umgegangen wird. Glücklicherweise wird immer mehr über dieses Thema geschrieben, sich offen und kritisch damit auseinandergesetzt. Wie auch in der Blogparade psychische Belastung im Online Business bei dem ich mit diesem Beitrag sehr gerne teilgenommen habe.

Ein Kommentar

  1. Liebe Jasmin,

    danke für deinen Einblick, warum das Dasein als Digitale Nomadin nichts für dich ist. Wie du sehe ich es auch so, dass die Nachteile sehr oft unerwähnt bleiben. Deshalb finde ich es super, dass du genau das beschreibst!

    Herzlichst,
    Sara

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