Geburtserfahrung und Geburtsgeschichte aufschreiben

Geburtserfahrung: So schreibst du deine Geburtsgeschichte

Von Katharina / Letzte Aktualisierung am 13. September 2022

Die Geburt des eigenen Kindes ist eine Erfahrung, an die die eine Mutter gerne zurück denkt, die andere Mutter dagegen am Liebsten vergessen würden. Wie gehst du mit deiner Geburtsgeschichte um? Heute gibt es dazu einen wunderbaren Beitrag für dich: Die liebe Katharina von ichgebaere.com erklärt dir hier wieso es so wichtig und schön sein kann deine Geburtserfahrung aufzuschreiben.

Ist wirklich jede Geburtserfahrung es wert, aufgeschrieben zu werden?

Geburten sind so eine Sache. Manche finden die Vorstellung unvorstellbar, jemals ein Baby durch ihre Vagina zu quetschen. Und deshalb lassen sie es sein. Am anderen Ende des Spektrums gibt es Frauen, die mehrfach gebären und von ihren Geburten schwärmen: Von der unglaublichen Kraft und Energie, die sie dabei durchströmt.

Und dann gibt es all die verschiedenen Schattierungen dazwischen.

  • Frauen, die gern die Geburt umgehen würden
  • Frauen, die sich dafür schämen, dass die Geburt ihres Kindes nicht so lief, wie gedacht
  • Frauen, die unbedingt einen Kaiserschnitt wollen und Frauen, die auf keinen Fall einen Kaiserschnitt wollen
  • Frauen, die sich nur eine Krankenhausgeburt vorstellen können und Frauen, deren größter Horror eine Geburt im Krankenhaus wäre
  • Frauen, die ständig von der Geburt erzählen und solche, die sich nicht trauen, weil die Geburt zu einfach, zu schwer, zu verletzend, zu erhebend oder zu langweilig war.

Die Kombinationsmöglichkeiten sind unbegrenzt. Und genau das ist der Punkt:

Die Geschichte jeder einzelnen Frau ist einzigartig.

Ihre Geburtserfahrung mag derjenigen von anderen Frauen ähneln — doch identisch sind sich keine zwei Geschichten.

Mein Credo ist deshalb so einfach wie kontrovers:

Jede Geburtserfahrung ist einzigartig. Und jede Geburtserfahrung ist es wert, aufgeschrieben zu werden.

Wirklich jede?

Na, rollst du auch schon mit den Augen? Vielleicht gehörst du zu der Sorte Mama, die so viel um die Ohren hat, dass sie garantiert nicht auch noch Zeit zum Schreiben hat? Oder bist du eher diejenige, für die die Geburt ein notwendiges Übel war, an das du dich möglichst wenig erinnern willst?

Hör lieber auf mit dem Augenrollen, sonst wird dir noch schwindelig.

Und ganz ehrlich: Ja, ich finde, auch deine Geburtserfahrung ist es wert, aufgeschrieben zu werden.

Eine Heldinnengeschichte voller Liebe

Wir leben alle so unseren Alltag. Wir schlagen uns mit den Feinheiten des Lebens herum. Und in diesem Alltag vergessen wir häufig, was für Heldinnen wir sind. Ist dir eigentlich klar, was du da geleistet hast, als dein Kind zur Welt kam? (Und falls du dein Kind per Kaiserschnitt geboren hast: Der Satz gilt auch für dich! Es ist immer eine körperliche und mentale Ausnahmesituation!)

Ist dir klar, dass du die wahre Heldin in dieser Geschichte bist? Denn du bist diejenige, die, wie auch immer es ausgeht, die Folgen trägt. Und was ist die Grundlage für all deine Entscheidungen?

Auch, wenn du dich mit vielen Fakten versorgst und rationale Entscheidungen treffen willst: Deine persönliche Entscheidung ist immer auch emotional. In welchem Gefühlszustand hast du sie getroffen? Euphorie? Angst? Wut? Unsicherheit? Vertrauen?

Egal, was es war: All diese Emotionen spürst du, weil du dein Baby liebst. Du hast Angst, dass ihm etwas passieren könnte – weil du es liebst. Du bist euphorisch, dass du es bald in den Händen hältst, weil du es liebst. Du bist unsicher, weil du vor lauter Liebe zum Kind unbedingt die richtige Entscheidung treffen willst.

Die Liebe zu deinem Kind ist eines der zentralen Themen in deiner Geschichte.

Aus Liebe Entscheidungen zu treffen, ist nicht immer einfach. Und nicht immer sind wir im Nachhinein mit der Entscheidung glücklich. Die Liebe aber bleibt als diejenige Emotion, die dein Verhalten bestimmt.

Ganz ehrlich: Es gibt so viele Geschichten, die vor negativen Emotionen nur so platzen. Wie schön wäre es dagegen, wenn wir all die Liebesgeschichten aufschreiben würden, die uns mit unserem Nachwuchs verbinden? Ich finde, das wäre großartig!

Ein Geschenk für dein Kind

Stell dir vor, dein Kind feiert seinen 18. Geburtstag. Volljährigkeit. Auto fahren, Sexkino, Verträge unterschreiben, harten Alkohol saufen. Vielleicht. Oder ganz anders. In jedem Fall schenkst du deinem nun erwachsenen Kind die Geschichte, wie es vor 18 Jahren auf die Welt kam. Vielleicht ist es gerührt. Vielleicht ist es genervt, weil kein Sexkino vorkommt und der Alkohol nur zur Desinfektion genutzt wird. Doch dann, ein paar Jahre später, gründet dein Kind seine eigene Familie. Und erinnert sich auf einmal daran, dass es weiß, wie es selbst das Licht der Welt erblickte. Spätestens jetzt wird es unendlich dankbar sein, seine eigene Geschichte zu kennen.

Ein Geschenk für dich

Noch viel wichtiger als das Geschenk für dein Kind ist jedoch, welches Geschenk du dir mit der Geschichte selber machst. Denn du erkennst an, was du aus Liebe getan hast. Jede Entscheidung hatte nur den Hintergedanken: „Ich will das Beste für mein Kind“. Aus diesem Gedanken können wir unendlich Kraft und Liebe ziehen. Dich mit deiner eigenen Geburtserfahrung anzuerkennen ist deshalb eines der größten Geschenke, die du dir selber machen kannst.

Wo fange ich bei der Geschichte meiner Geburtserfahrung an?

Nehmen wir an, ich habe dich davon überzeugt, dass es ein Geschenk für dich und die Welt ist, wenn du deine Geburtserfahrungen genau so aufschreibst, wie du sie erlebt hast. Kopier also nicht einfach den medizinischen Geburtsbericht. Sondern erzähle deine Geschichte. Mit allen Fakten. Und genauso mit allen Gefühlen, Gedanken und kleinen Zwischentönen.

Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst, habe ich verschiedene Vorschläge:

  • Fang bei deinen Gefühlen an, statt beim Ablauf
  • Picke dir diejenigen Momente heraus, an die du dich genau erinnerst, und schreib zuerst von diesen
  • Gehe anhand von Aufzeichnungen oder dem Geburtsbericht den Ablauf durch
  • Mach dir feste Schreibtermine und schreibe an diesen

Auch, wenn es dir nicht gefällt. Nach und nach füllen sich die Lücken. Lade dir gern auch meine Liste mit Impulsfragen herunter. So brauchst du dich bloß von einer Frage zur nächsten hangeln, anstatt direkt die ganze Geschichte schreiben zu wollen.

Und falls du das Gefühl hast:

dass deine Zeit nicht reicht
dass dir die Worte fehlen
dass du vor dem weißen Blatt sitzt und nichts tust
dass du das Ergebnis willst, aber ohne den Schreibprozess,

dann kann auch ich deine Geburtsgeschichte für dich schreiben. Du erzählst, ich schreibe. Und zwar so, dass die Geschichte am Ende genau das erzählt, was du erlebt hast. Dabei fließt in jedem Satz die Liebe, die du zu deinem Kind spürst.

Denn: Jede Geburtserfahrung ist einzigartig. Und jede Geschichte ist es wert, aufgeschrieben zu werden.

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